1. Int. Sommerkurs 2008

Der Internationale Sommerkurs | 1. Int. Sommerkurs 2008

Welcome Home / Willkommen daheim

Wir haben es gefunden!
Das hörte man 2007 rund um die Welt in vielen Sprachen in den Diamantweg-Buddhismus-Zentren. Die ersten Schritte dahin, den Traum des größten buddhistischen Zentrums in Europa wahr werden zu lassen, waren erfolgreich.

Seit Mai 2007 besitzen wir eine schöne Stelle in Süddeutschland mit 50 Hektar Land und einer atemberaubenden Aussicht. Zum ersten Mal in der Geschichte des Laienbuddhismus im Westen haben alle Buddhisten, gleich welcher Nationalität, die Gelegenheit, sich am Kauf und insbesondere an der Umsetzung dieses internationalen Projektes zu beteiligen. Der erste Dauerbelastungstest kam schon im Sommer 2008 mit den Vorbereitungen zum größten
Sommer-Meditationskurs des 17. Gyalwa Karmapas, Sherab Gyaltsen Rinpoches und Lama Ole Nydahls.

Vorbereitungen durch einen kleinen Trainingskurs

Der ein halbes Jahr andauernde Prozess der Umgestaltung des schönen Alpenresorts begann im Februar, nachdem der erste Schnee geschmolzen war. Es sollte eine Infrastruktur für ein paar Hundert Freunde geschaffen werden und dafür mussten die Zugangsstraße erweitert, die Stromversorgung ausgebaut und ein Wasser-Reservoir errichtet werden. Zudem musste eine ebene Fläche geschaffen werden,
auf der zwei große Zelte errichtet werden sollten.

Das Europazentrum verwandelte sich in einen Ameisenhaufen von Helfern aus allen Teilen der Welt. Menschen begannen in das Europazentrum zu ziehen oder für nur einige Monate, Wochen oder Tage zu kommen. Ganz gleich, von wo sie herkamen – aus Russland oder Uruguay –, sie alle fühlten sich zu Hause und hatten, kaum dass sie aus dem Auto gesprungen waren, sofort das natürliche Bedürfnis, bei den Sommerkurs-Vorbereitungen zu helfen. Ständig kamen und gingen mehr Menschen mit Enthusiasmus und dem Wunsch, so bald wie möglich wiederzukommen. Man kann sagen, dass die mehr als ein halbes Jahr andauernden Vorbereitungen wie ein kleiner Trainingskurs waren.

Alle Teams bereit

Der Sommerkurs selbst wurde von Hunderten von Freunden vorbereitet, die in acht Hauptteams arbeiteten. Das Motto war, dass der Kurs so reibungslos wie möglich mit einem Minimum an Organisation laufen sollte.
Ein „Welcome“- und ein „Shuttle“-Team waren verantwortlich für mehrere Parkplätze in Immenstadt. Dort wurde man immer von Freunden willkommen geheißen und mit einem heißen Tee und den notwendigen Informationen zum Kurs und seinem aktuellen Stand versorgt, ob man tagsüber oder spät nachts ankam.
Bis zum letzten Moment arbeitete das „Technik“-Team an den letzten Details des Essenszeltes, und einige Stunden vor Kursbeginn wurde noch immer an der Beleuchtung, den Terrassen, Bild-Übertragungstechnik und Tisch-Arrangements gearbeitet.
Das „Reinigungs“-Team stand von Anfang an für die erste Welle anreisender Buddhisten bereit. Das „Service“-Team richtete einige angenehme Stellen verteilt über das Camp ein – von einer Cafeteria über ein Job-Center bis hin zu einem Mini-Markt.
Das „Kommunikations“-Team arbeitete an mehreren Stellen zugleich, mit Internet und Telefonen. Das Hauptbüro beantwortete Dutzende von Emails, aktualisierte ständig die Website, druckte Hinweisschilder, bearbeitete Dokumentationen und archivierte Daten.
Das „Finanz“-Team kümmerte sich um Rechnungen, die sich kurz vor dem Kurs massiv stapelten.
Das „Registrierung“-Team war ausgestattet mit einem großen Zelt und mehreren Stationen und wartete schon auf die Neuankömmlinge, die mit einem der Shuttle-Busse auf dem Weg hoch waren.
Das „Essen“-Team bereitete eine Küche vor und betrieb sie so, dass mehrere Tausend Mahlzeiten in ein paar Stunden zubereitet und ohne lange Wartezeiten serviert wurden.
Das „Gompa“-Team kümmerte sich um die Bühne, die Mikrophone und die Sound-Anlage. Thangkas und Statuen wurden mit Millimeter-Genauigkeit auf der Hauptbühne platziert. Jeder war bereit für den Start des ersten Internationalen Meditationskurses, der auf unserem eigenen Land organisiert wurde.

Beginn mit Mandala-Schenkung

Eines der beeindruckendsten Rituale im tibetischen Buddhismus ist die traditionelle Mandala-Schenkung, bei der Symbole für Körper, Rede, Geist, Qualitäten und Aktivitäten geschenkt werden. Im Namen aller Schüler von Lama Ole und Hannah Nydahl überreichten Caty Hartung, Karola Schneider und einige Kinder Lama Ole das rituelle Mandala und das ganze Projekt des Europazentrums, als Ausdruck des Dankes für seine Arbeit und seinen Segen.

In den folgenden vier kalten und regnerischen Tagen leitete Lama Ole den Kurs für das „Bewusste Sterben“ (tib. Phowa), der einen Tag früher als ursprünglich geplant mit der Prüfung der Zeichen endete. Alle Teilnehmer hatten deutliche sichtbare äußere Zeichen, so dass sie die Nacht mit einer wilden Party verbringen konnten, bei der natürlich das populäre Stage-Diving aus einigen Metern Höhe nicht fehlte.

Meditations-Marathon mit Millionen von Mantras

Am darauffolgenden Tag, kurz vor Mitternacht, erklärten Sherab Gyaltsen Rinpoche und Lama Ole die Meditation auf den Buddha “Liebevolle Augen” (tib. Chenresig). Rinpoche ist ein Meditationsmeister und Halter des „Maniwa“-Titels, da er seine Schüler dazu inspiriert hat, mehr als 1.000.000.000 Om Mani Peme Hungs zu rezitieren. Rinpoche leitet seit vielen Jahren Wochen-Retreats mit Tausenden von Laien-Praktizierenden in seinem Kloster in Kathmandu, Nepal. Hier nun startete er um Mitternacht eine 72-Stunden-Meditation, bei der sowohl die Kursbesucher als auch per Internet-Streaming viele Menschen rund um die Welt teilnahmen.

Rinpoche und Ole kamen regelmäßig für mehrere Stunden in das Zelt, um zusammen mit den Freunden und den Reiselehrern zu praktizieren. Zusammen mit all den Zentren wurden in den drei Tagen 128 Millionen Mantras von „Liebevolle Augen“ rezitiert. Darüber hinaus gab es jeden Abend kurze Belehrungen zur Praxis, Meditation im Allgemeinen und der Entwicklung von Mitgefühl.

Rosen aus 55 Ländern

„Bitte fahrt hier nicht mit euren Autos, wir bereiten die Straße für Karmapa vor” baten die Organisatoren alle, die mit Autos zum Meditationszelt auf dem Hügel fahren wollten. Während der ersten regenfreien Tage war der Weg mit Glückssymbolen bemalt worden und nun gesäumt von Eltern mit ihren Kindern, die den 17. Gyalwa Karmapa begleiteten, als er zum ersten Mal das Meditationszelt betrat. Das Oberhaupt der Karma Kagyü Linie kam in Begleitung einiger Lamas und wurde von Sherab Gyaltsen Rinpoche, Lama Ole und Caty willkommen geheißen. Während der offiziellen Willkommensfeier überreichten ihm 55 Vertreter aus 55 Ländern Rosen und sagten „Willkommen daheim“ in ihrer Muttersprache.

Ole dankte Karmapa für seine Rolle als Lehrer und Linienhalter und erinnerte an seine starken Bände zu Karmapas letzter Inkarnation. Karmapa segnete Lama Oles Arbeit und drückte seine Unterstützung und seinen Respekt vor der Arbeit all derjenigen aus, die bei den Vorbereitungen für den Kurs und bei dem Europazentrums-Projekt mitgeholfen hatten.

Ermächtigungen für Tausende von Menschen

Jeden Morgen trafen sich gut gekleidete Buddhisten auf schlammigen Wegen vom Essenszelt zum Meditationszelt, um zusammen in Meditation die Diamantgeist-Reinigungsmantras zu rezitieren, bis der 17. Karmapa beginnen würde, die Ermächtigungen zu geben. Karmapa erklärte immer die Bedeutung der jeweiligen Praxis und die Details des Meditationsaspektes. Buddha „Liebevolle Augen“ und „Grenzenloses Licht“ waren die ersten Ermächtigungen für Laienpraktizierende im Europazentrum. „Es war ein Vergnügen und es wird immer ein Vergnügen sein, solch eine Stelle zu besuchen. Ich war insbesondere sehr berührt von jedem Einzelnen, der teilnahm, und noch mehr von all denen, die die harte Arbeit gemacht haben“, sagte Karmapa und drückte damit seine Gefühle für die Stelle aus, an der die Energie von „Weißer Befreierin“ besonders stark zu spüren ist.

Zum Besten aller Wesen …

Am letzten Tag gab der 17. Karmapa das Bodhisattva-Versprechen und dabei wurden die guten Eindrücke von vielen Tagen Meditation, Ermächtigungen, Belehrungen und Übertragungen dem Wohl aller Wesen gewidmet. So erinnerten wir uns an unsere Motivation, mit unserem Geist zu arbeiten und der Bedeutung der Bände zwischen uns: „Wir legen Buddhismus jetzt wirklich auf die Landkarte unserer europäischen Länder; unsere Zentren strahlen und haben einen sehr positiven Einfluss auf die Welt und wir alle wachsen als menschliche
Wesen. Es gibt für die Entwicklung unserer Qualitäten wirklich nichts Wichtigeres als gute Freunde und gute Gesellschaft, und das sind wir uns alle füreinander“, sagt Lama Ole oft.

Jeder drückte den Wunsch aus, sich von nun an bis zur Erleuchtung zum Wohle aller Wesen zu entwickeln; ganz gleich, ob er nach dem Kurs zu den verschiedensten Plätzen auf der Welt abreiste, oder blieb, um im ersten internationalen Zentrum zu leben und arbeiten. Im Europazentrum sprechen die Leute Englisch, kochen unter Leitung eines schwedischen Koches, bauen mit deutschem Knowhow, reparieren Mauern nach Anleitung eines dänischen Zimmermanns, zeichnen Projekte mit einem ungarischen Architekten, machen sauber und räumen auf mit dänischer Haltung, tanzen mit polnischer lebendigkeit, managen alles mit litauischer Gelassenheit, kommentieren Dinge mit tschechischem Humor, feiern mit russischem Herz und meditieren mit alldurchdringendem Geist ohne Begrenzung und nationale Grenzen.

Von Klara & Roman Laus

Aus dem Englischen: Detlev Göbel
Buddhismus Heute, Ausgabe 46